Henry und Grace.

Vor jar nich allzu langer Zeit, also quasi neulich, da zog sich so ’ne Jeschichte inna Plattenbausiedlung zu. Familie Knödel, nicht unbedingt ’ne klassische Vorzeijefamilie, war mal wieder knapp bei Kasse.

Mutti Knödel (Mändy) hat jerade ihrn Job valorn und Vati Knödel (Ronny) konnte mit seim Jehalt keene vierköpfije Familie plus Hund, alleene anährn.
Es jab da ooch ’n langet hin und her mit’m Amt, aber weil die nich zu Pötte kamen, wurde ditt Essen inna Zwischenzeit knapp.

Eines Abends, als die Kinder im Zimmer mit’m Chättn uff Facebook beschäftigt warn, kam Ronny uff ’ne Idee.
››Du, Muttern. Ick sag ditt jetze wiet is. Wir sind völlig Pleite. So Pleite, dass wa nüscht mehr zu futtern ham. Jedenfalls nich jenug für vier undn Hund.‹‹
››Ick wees Vattern, ick wees.‹‹ Antwortete Mändy.
››Nun. Ick hab mir da ma so ’n paar Jedanken jemacht und gloobe, dass ick ’ne Lösung für ditt Problem hab!‹‹, sprach Ronny weita. ››Und? Azähl! Spann ma nich so uffe Folter, ey!‹‹, motzte Mändy barsch.
››Also, laut meina Berechnung, hamwa noch jenug Futter für zwee von uns. Der Köta frisst ja eh jeden Müll vonna Straße. Den zähl ick nich dazu. Jedenfalls bleibt uns nüscht andret übrig, als die Kinder loszuwerden. Sonst jehn wa noch alle druff!‹‹
Mändy zuckte kurz und brüllte los: ››Watt?! Wie sollnwa Henry und Grace denn bitte loswerden?!‹‹
››Pssst! Du ruinierst noch den Plan, mit Deim jebrülle, Du Schnalle! Und jetzt kieck nich so blöde und hör ma zu!‹‹ Mändy zog ’nen Flunsch, antwortete aber nicht.
»Also, wir jehn morgen Abend mit die Kinder innen Plänterwald „spazieren“. Und wenn wa weit jenug im Wald sind, lassen wa se dort. Zack, Problem jelöst!«
»Hm. Meinste? Und watt, wennse von Wölfen jefressen werdn? Ick wees ja nich. Klingt ürgendwie fies.«
»Ach! Kwatsch keene Opern, Trulla. Wir sind doch nich in Brandenburg! Hier jibtet keene Wölfe.«
Mändy ließ sich von Ronny übazeujen und beide stießen grinsend mit’m Sterni uff die supa Lösung an.

Am nächsten frühen Abend, machte sich Familie Knödel uff zum „Spazierjang“, nich ohne Jemaule von Henry und Gres.
»Muss ditt sein, ey?«, maunzten beede Jören im Chor. »Ja, musset! Wir machen jetz mal watt als Familie.«, züschte Ronny zurück.

Nach zürka zwee Stunden im Plänterwald, knuffte Ronny der Mändy inne Seite, machte ’nen Zwinka und rief den Kindern zu: »Kieckt mal da, ditt is doch ’n Dino, ey!« Wärend die Kinder suchend innen Wald glotzen, machten sich die Eltern hastig ausm Staub.

»Alter! Ick gloob ditt nich. Kieck ma Grace, da is wirklich ’n Dino!«, rief Henry seina Schwesta zu. »Stümmt, ey. Wahnsinn. Lass ma näher ran, wa?», antwortete Grace ihrm Bruda janz uffjeregt.

Vor lauter Staunen, ham die Kinder jar nich mitjekricht, dass se alleene im Wald zurückjelassen wordn.
Die beeden inspizierten den Dino ausjiebig und valoren ditt Interesse, als se jemerkt ham, dasset nurn Plastedino is. Nur, da warn die Eltern längst üba alle Berje.
»Shit! Grace, wo sindn Mutti und Vati hin?«
»Keene Ahnung. Uff eenmal einfach weg!«
»Und nu? Ick wees nich, wie wa zurück kommen. Du etwa?«
»Nee. Scheiße. Hab nich uffjepasst, als wa herjelatscht sind. Aber watt is mit Deim Handy. Kannste nich bei Gogglemaps kiecken?«
»Grace, Du bist so kluck!« Henry fuchtelte blitzschnell sein Smartphone ausser Hosentasche und zog noch schneller ne Fresse. »Watt los, Henry?«
»Ick hab hier jar keen Empfang, ey. Scheiß Eplus! Hast Du Deins nicht ooch bei?«
»Ja, hab grad jekieckt, ooch keen Empfang. Ick hab doch ooch Eplus, Du Nase!«
»Na, son Rotz ey. Watt machnwa denn jetze? Is voll dunkel hier, und ick hab Hunga wie Sau!«
Grace wollte jerade anfangen zu heulen, als se weiter hinten watt blitzen sah. »HENRY! DA! ‚NE HÜTTE!«
»Recht haste, Grace. Lass ma rüber flitzen. Vielleicht jibtet da watt zu kauen.«
Also machten sich Henry und Grace uffn Weg, Richtung Hütte.
Als beede näher kamen, entpuppte sich ditt Häuschen als wahret Schlaraffenland. Vom Schornstein bis runter zum letzen Stein, war allet voll mit Naschereien.
Henry und Grace konnten ihren Glubscher kaum glooben und stürzten sich uff ditt Naschwerk.
Plötzlich ertönte ’ne Stimme ausm Off.
»Knuspa, knuspa knäuschen. Wer knuspat da eenfach so frech an meim Häuschen? Ick gloob es hackt! Is ditt zu fassen, ey?! Verfatz da, aba dalli!«
Henry und Grace bekamen ’nen Mörderschreck.

‚Ne alte Frau mit riesigem Zinken im Jesicht und rot unterloofnen Oogen, kieckte zornig zu den beeden rüber und als sich Henry wieder fasste, entjegnete er nur rotzig: »Bleib ma uffn Teppich, Du Hexe! Ditt is ja eh nur ’ne scheiß Attrappe, Dein blödet Haus. Hab ma fast die Zähne an dem Plastedach ausjebissen. Kannst froh sein, wenn ick Dich nicht verklaje, ey.«
»Pah! Ooch noch frech werden, oder wer? Ditt hamwa jerne Freundchen, ditt hamwa jerne!«, blaffte die alte Frau den Jungen an. Grace, stand die janze Zeit nur mit ’nem breiten Grinsen danem. »Und Du Jör, hör uff so blöde zu Lachen! Siehst aus wien Nilpferd uff Koks. Aba ditt würd Dir ooch noch vajehn, kannste glooben Frollein!«, züschte sie zu Grace rüber.
Die Kinder zuckten kurz und warn sich nich sicha, watt die alte Frau damit meinte.

Die Omse hatte sich inzwüschen wieda beruhigt und wandte sich mit ’nem Zuckerlächeln zu Henry: »Vielleicht war ick ’n bisschen grob, tut ma leid. Wahrscheinlich haste nur schrecklich Hunga, wa? Bist aba ooch ’ne Hungahake. Nüscht uff de Rippen, haste. Nu komm erstma rinn inne Stube, ick mach Dir ’ne lecker Kartoffelsuppe mit Bockwurst.« Henry zöjerte keen Moment und zack, wara inna Hütte vaschwunden. Grace wollte ooch gleich hintaher, als die alte jiftig zu ihr hin maulte: »Du siehst aba nich unbedingt aus, als müssteste zwingend watt futtern. Son hintan, wie Du hast. Wahrscheinlich frisste dem Jungen imma allet weg, wa?« Grace zuckte jewalltisch und war fassungslos. »Kieck nich wie son Monchichie mit Hämorriden! Rinn mit Dir und ab inne Küche. Kannst ma beim Kochen helfen.«
Nach ’ner Stunde, saßen alle zusammen am Tüsch und Henry streichelte sich zufrieden den Bauch. »Alter, bin ick satt! Voll jut, ey. Echt. Jetz bin ick aba müde.«
Die olle Omma grinste sich in ihrn spärlichen Altweibabart. »Sehr jut, sehr jut. So könnse erstma nich weg hier«, murmelte sie vor sich hin. »So Kinners, ick denke, ihr solltet erstma ’ne Mütze voll Schlaf nehm und wenna ausjeruht seid, azählta mir, watt ihr nachts im Wald zu suchen habt.«

Am nächsten Morgen, jab es ’n ausjiebijet Frühstückt, mit Wörstchen, Eierflocken und tüllich ooch ’ne janze Ladung Speck! Die Kinder azählten der alten Frau, wiet dazu kam, dasse jetze bei ihr inna Küche saßen. »Nun, wissta Kinder. Ick hab hier leida keen Festnetz und mit’m Handy keen Empfang. O2 halt … Sonst könnteta zuhause anrufen. Aba wir können später ma inne Stadt, dann kann ick euch zur UBahn bringen. Aber erstma machen wa uns
’nen faulen Lenz, wa Henry?« Der Junge bekam janz jroße Oogen. »Na klar, ey. Voll cool.«
Grace war ditt janze nich jeheuer, traute sich aba nich watt zu sajen.
Als ditt Mädel ma kurz für kleene Königstijer jing, nutze die alte Schachtel die Chance und lockte Henry innen Jarten. Kaum anjekommen, schubste sie den Jungen inne klitzekleene Box mit Jitter davor und lachte hämisch.
»Hahaha! Watt biste nur für’n blödet, vafressenet Balg. Zack, hab ick Dich in meina Jewalt, ätsch. Und Deine blöde Schwester kann nüscht dajegn tun, die dicke Tonne!«
Henry fing an zu weinen. Er wusste überhaupt nich, watt uff eenma los war. »Hör uff zu flenn! Oda biste ’n Mädchen? Außadem bringt Dir ditt ooch nüscht, also lasset. Nervt ma nur zusätzlich!«

So vajingen 3 Taje, in denen Grace die Magd miemen musste und Henry rejelrecht jemästet wurde. Am dritten Abend, als die alte Kuh einjenickt war, jing Grace raus zu Henry um ’nen Fluchtplan auszutüfteln. »Hör zu Henry. Ick hab ’ne Idee, wie wa hier wieda wegkommen.« Henry öffnete jespannt die Lauscher. »Also, scheinbar will die Schrulle, dassde fett würst. Wennse morjen früh zu Dir an die Box kommt, reich ihr den Knochen hier und tu so, als wär ditt Dein Finga. Die merkt ditt nich, die is so blind wien Rejenwurm im Schokopudding. Ditt würd die alte Dame erstma ablenken, weilse denkt, Du wärst noch dünna jeworden. Inna Zwüschenzeit, mops ick den Schlüssel und hol Dich danach aus der Box raus. Klingt ditt nachm Plan, oder wer?« Henry klatschte freudig die Hände zusammen. »Prima! Aber watt machen wa danach?«, fragte er skeptisch. »Wees ick noch nich. Machen wa einfach spontan. Würd schon, gloob mir!«, vasicherte Grace. »Jut! Dann bis morjen, ditt wird jut! Nachti, Henry.«
»Ja, Nachti Grace.«

Am nächsten Morjen, zogen die beeden ihrn Plan durch, der ooch wie am Schnürchen klappte. Grace wartete kurz, bis die Alte wieda im Haus war und holte Henry ausser Box raus. »Boah! Wir hams jeschafft, Grace! Wahnsinn. Jetz lass uns einfach abhaun.«
»Nee, nix da! Ick will der Arschkuh erst noch eens übabraten. Also sinnbildlich. Wennde vastehst?« Henry kieckte kurz blöd, nickte dann aba zustimmend. »Okeh. Watt haste vor?«
»Ick geb der Uschi den mega Tritt in ihrn Sackarsch, wennse über dem Brunnen hinterm Haus jebückt steht. Dann heisstet loofen!«

Die Kinder jingen leise ums Haus rum und warteten auf den pafekten Moment, der ooch nich lange allzu lange dauerte.
Wie jeplant, jab Grace der Schrumpelhexe ’nen ordentlichen Tritt und Zack, war se im Brunnen. Völlig baff, brüllte die Omma: »Watt seid ihr nur fürn undankbaret Jesindel! Na wartet, wenn ick hier rauskomme, mach ick euch zu Hackfleisch und ditt mein ick wörtlich! Aaaaaahrgh!«

Die Kinder hörten ditt Jebrülle aber nich mehr, weilse schon längst ’nen Schuh jemacht ham. Sie rannten und rannten, ohne Ziel. Hauptsache weg.
Und plötzlich standense am UBahnhof. »Puh! Ditt war knapp, alter. Aber WIR HAMS JESCHAFFT!«
Voller Freude, umarmten sich die beeden Jeschwista und stiegen in die Bahn.

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